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Juli – Jian Junyu.

Jian Junyu wurde 1949 in Dongguan, Guangdong, China, geboren und arbeitet seit etwa zehn Jahren als Landschaftsfotograf. In jüngster Vergangenheit waren Gesteine und Felsen das Hauptmotiv seiner fantasievollen Fotografien. Jian Junyu hat drei Bücher veröffentlicht: „Images from Afar“, „Land of Splendors“ und „Impressions of Stones“. Seine erste Einzelausstellung fand 2002 in Peking statt.

Erst vor kurzem ist es mir erstmals gelungen, meine Arbeit etwas näher zu erläutern. Ich hoffe, dass meine Aufnahmen die gleiche Anerkennung erfahren, die Felsmalereien zuteil wird. Der Betrachter sieht auf meinen Fotos zunächst nicht den Stein als solchen, sondern das Bild, das er zeichnet! Tatsächlich besitzen meine Gesteinsbilder mehr Intensität als alle anderen Motive. Gestein zeichnet sich durch seine Färbung und Schattierung, durch Linien, Textur und Muster aus, es transportiert Rhythmus und Melodie, Stimmungen und Gefühle. Ich habe entdeckt, dass dies die Dinge sind, die ich vermitteln möchte, und ich finde sie in Steinen und Rinde, in fließendem Wasser oder in der Sandwüste.


 Grundsätzlich vertrete ich die Ansicht, dass abstrakte Arbeiten der Fantasie und eigenen Gedanken mehr Raum bieten als konkrete Motive. Es fragt sich nur: Wie entsteht eine „abstrakte“ Fotografie? Während ein Maler seiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen und sein Bild selbst komponieren kann, dokumentiert der Fotograf die Wirklichkeit eines Objektes. Ich brauchte lange, bis ich den Zugang zu abstrakter Fotografie fand. Es gelang mir im August 2000 auf einer Reise von Urumqi, Provinz Xinjiang, durch Tibet nach Lhasa. Eines Morgens, kurz hinter Ritu, bemerkte ich, dass die Hügel links und rechts des Tales ganz unregelmäßig zu Gesteinsbrocken jeder Form und Größe verwittert waren, alle mit einem Band aus dunklem oder hellem Orangerot um die Kanten, das in der Sonne herrlich leuchtete. Beim Betrachten dieser Steine durch den Sucher machte mein Herz vor Freude einen Sprung: „Sieht das nicht aus wie ein Miró?“ Das war der Moment, da ich die Tür zur Freiheit aufstieß und meine Reise hin zu abstrakter Fotografie ihren Anfang nahm.

In China bin ich nur einer von zahllosen Foto-Begeisterten. Meine ersten Bilder machte ich 1965 im Alter von 16 Jahren. Inzwischen ist die Fotografie fester Bestandteil meines Lebens und die Sprache, in der ich meine Gedanken und Gefühle mitteilen kann. Ich bin kein Profifotograf, verdiene mit meinen Fotos also nicht meinen Lebensunterhalt, was meiner Kreativität viel Raum lässt. Ich mache mir keine Gedanken, ob sich meine Fotos verkaufen lassen, oder zügele meine Fantasie, um mich einem Kunden anzupassen.

Meine Quelle muss ich immer wieder auffüllen, soll der Funke nicht erlöschen. Daher habe ich nie aufgehört zu lernen – von den Arbeiten anderer Fotografen wie auch von anderen Kunstrichtungen wie der Musik, insbesondere der klassischen Musik.

Als Anfänger verbrachte ich ein ganzes Jahr damit, Urlaubs- und Familienfotos zu schießen. Meine fotografische Entwicklung seit damals hat zwei Hauptphasen durchlaufen: die Landschaftsfotografie und Aufnahmen mit dem Schwerpunkt Gesteine.
Als ich anfing, Landschaftsaufnahmen zu machen, stieg ich von einer 135-mm- auf eine Mittelformatkamera um. Mein Hauptgrund war, dass ich es nicht eilig hatte und sehr von dem Stativ profitierte. Außerdem bekam ich mit einem größeren Format größere Abzüge.

Im Jahr 1991 erwarb ich eine Hasselblad 503CXi mit 40-, 80- und 120-mm-Objektiv sowie ein 140–280-mm-Objektiv, mit denen ich seither arbeite. Für Gesteinsbilder kaufte ich später zusätzlich ein 500-mm-Objektiv. Hasselblad verwendete ich von Anfang an, weil ein befreundeter Fotograf mir dazu riet. Diese Wahl hat sich in jahrelanger Praxis bewährt. Bislang gab es in meiner fotografischen Arbeit keine Situation, die meine Hasselblad nicht gemeistert hätte.

Jian Junyu
Übersetzung aus dem Chinesen ins Englische: Yuan Shaoying
Redaktion: Kerstin Fiedler